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Warum Sport mit ADHS gar nicht so einfach ist

Aktualisiert: 1. Sept. 2025

Eine vorhandene ADHS kann Auswirkungen auf alle Bereiche des täglichen Lebens haben, auch auf das Training. Es ist in meinen Augen unabdingbar, dass die ADHS-Symptomatik auch im Fitness- und Ernährungscoaching Beachtung finden muss, um das Coaching perfekt auf die Bedürfnisse einer Person auszurichten. Eine ADHS-Symptomatik kann unter anderem die Ausführung von Bewegungen, das Etablieren von Routinen, das Dranbleiben und das Selbstvertrauen negativ beeinflussen. Da ich selbst ADHS habe, kenne ich mich mit dem Thema sehr gut aus und weiß, welche Herausforderungen die Symptomatik mit sich bringen kann. Wichtig: Die ADHS-Symptomatik einer Person ist so individuell wie die Person selbst. Deshalb müssen diese möglichen Probleme nicht auf alle Betroffenen zutreffen, können aber trotzdem für viele herausfordernd sein.



Was ist ADHS?

Zu diesem Thema könnte ich einen Roman schreiben, gehe aber davon aus, dass du dich damit schon etwas auskennst. Deshalb hier in Kurzfassung: ADHS ist die Kurzform von Aufmerksamkeitsdefizitis-Hyperaktivitätsstörung. ADHS gilt als eine Verhaltensstörung, wobei ich ADHS als eine andere Art des Seins und Erlebens der Welt beschreiben würde. Da kann das Zurechtfinden in einer neurotypischen Welt schonmal schwer werden.

Ein Hauptsymptom einer ADHS sind starke Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen, jedoch nur bei Dingen, die uns nicht interessieren bzw. nicht genug Dopamin ausschütten. Wenn uns etwas interessiert, dann können wir auch stundenlang dranbleiben, Stichwort Hyperfokus. Weitere Hauptsymtome sind eine hohe Impulsivität und starke körperliche Unruhe (Hyperaktivität).

Als Nebensymptome treten häufig Angststörungen, Depressionen, Essstörungen, Burnout, Desorganisation und eine geringe Stresstoleranz auf. Eine ADHS zeigt sich bei weiblich sozialisierten Personen anders als bei männlich sozialisierten Personen, da sie meistens eher in sich gekehrt sind und sich nicht so viel "daneben benehmen". Aus diesem Grund werden erstere oftmals deutlich seltener und wenn überhaupt erst deutlich später im Leben diagnostiziert als letztere. Viele der Haupt- und Nebensymptome können zu Problemen im Bereich des Sports führen.


Koordinationsprobleme

So ziemlich alle Sportarten erfordern ein gewisses Maß an Koordination, damit sie richtig ausgeführt werden können. Personen mit ADHS haben jedoch oftmals Probleme mit der Koordination und können z.B. die eigene Position im Raum schlecht einschätzen. Das kann ich von mir so auch bestätigen, so viele blaue Flecken wie ich immer überall habe. Probleme mit der Koordination können das Ausführen von Bewegungen massiv erschweren. Man selbst als betroffene Person weiß oftmals auch nicht, woran es liegt und warum man die Bewegung einfach nicht so ausführen kann, wie man eigentlich möchte. Das kann sehr frustrierend sein. Manchmal ist das, als würden die Gliedmaßen etwas anderes machen als das Gehirn ihnen sagt. Man versucht alles, um eine Bewegung richtig auszuführen und dann fällt einem anhand von Videos oder des Feedbacks vom Coach auf, dass dieses leider nicht so ist. Das Erlernen bestimmter Bewegungsmuster und Techniken kann für Personen mit ADHS einfach länger dauern als für neurotypische Personen. Das heißt aber nicht, dass es unmöglich ist. Vielmehr braucht man hier andere Ansätze.


Konzentrationsprobleme

Gedanklich beim Training bleiben ist ein weiteres Problem bei ADHS. Plötzlich kommen einem wichtige Einfälle, Ideen und Fragen in den Kopf, die sofort ausgeführt, niedergeschrieben oder geklärt werden müssen. Mir kamen selbst auch schon viele gute Ideen beim Training, am häufigsten bei schweren Hauptsätzen. Aus einem "ich notiere mir das mal eben schnell, damit ich es nicht vergesse" können dann locker 10-15 Minuten werden, in denen man alles andere macht, das Training jedoch kurzzeitig vergisst. Das kann dann wiederum zu einem schlechten Gewissen und Zeitstress führen.


Auch der Verlust von Konzentration während der Übungsausführung ist nicht unüblich. Die eine Sekunde ist man voll in der Übung, in der nächsten Sekunde kommt einem plötzlich etwas vollkommen anderes in den Sinn. Da stellen sich einem dann die wichtigen Fragen des Lebens wie "Was macht eigentlich die Fliege da an der Wand?" oder "Was muss ich nachher nochmal einkaufen?" und die Konzentration für die Übungsausführung ist weg. Schade auch. Koordinatioons- und Konzentrationsprobleme im Sport führen oftmals zu Misserfolgen, die dann zu einem negativen Selbstbild und mangelndem Selbstvertrauen führen können.


Fehlendes Selbstvertrauen

Durch negative Erfahrungen im Leben durch die ADHS-Symptomatik mangelt es vielen Personen mit ADHS an Selbstvertrauen. Wenn man von klein auf ständig das Gefühl hat zu versagen, alles falsch zu machen und nie gut genug zu sein, dann kann das verinnertlicht werden und zu negativen Glaubenssätzen führen. Diese zeigen sich dann auch im sportlichen Bereich: Wenn man in der Schule immer wieder hört, dass man unsportlich sei und bestimmte Sportarten einfach nicht könne (bei mir Ballspiele, das geht bis heute nicht), dann verinnerlicht man das. Und nur weil man später im Leben eine andere Art von Sport als in der Schule macht, heißt das nicht, dass man in dieser Sportart dann Selbstvertrauen hat. Gerade im Schulsport passieren im Laufe der Schulzeit so einige traumatisierende Ereignisse, die bei der Erstellung eines Trainingsplans und im Rahmen des Coachings Beachtung finden sollten. So können das Selbstvertrauen nach und nach gestärkt und negative Glaubenssätze aufgelöst werden.


Anweisungen befolgen

Da bekommt man vom Coach ein hervorragendes Video, wie man eine Übung perfekt ausführt und in dem auch noch alles detailreich erklärt wird. Eigentlich ein Selbstgänger diese Übungsausführung, sollte man dann denken. Das ist bei einer bestehenden ADHS-Symptomatik allerdings oftmals nicht so. Durch die Koordinations- und Konzentrationsprobleme, das fehlende Selbstvertrauen in den eigenen Körper und die eigenen Fähigkeiten und eine oftmals nicht vorhandene Ruhe ist es verdammt schwierig, eine Übung nur durch das Ansehen eines Videos korrekt auszuführen. Auch das Studium des Videos in Ruhe (manchmal auch vor dem eigentlichen Training) und die Übung einfach Schritt für Schritt nachzumachen kann manchmal einfach schwierig sein. Ich kenne es selbst, dass mein Gehirn immer alles schnell machen möchte, mir oftmals einfach die Ruhe fehlt und ich gefühlt immer hektisch bin. Dann wird das Video nicht richtig angesehen, man hört nicht richtig zu und was folgt ist eine oftmals falsche Übungsausführung.


Routinen

Das Etablieren von Routinen ist für Personen mit ADHS deutlich schwieriger und kann bei ihnen auch länger dauern als bei neurotypischen Personen. Stichwort Hyperfokus: Man ist plötzlich hochmotiviert und möchte sofort mit etwas durchstarten. Bis morgen damit warten geht schon gar nicht mehr, stattdessen muss es sofort passieren. Dann wird zwei Wochen lang fünf Tage pro Woche trainiert und das Gehirn bekommt genug Dopamin. Doch irgendwann lässt die Dopaminausschüttung nach und der anspruchsvolle Alltag führt dazu, dass Trainings ausfallen müssen. Und dann? Dann kann es verdammt schwierig sein, trotzdem dranzubleiben und einen Trainingsplan zu befolgen. Denn woanders wartet eine viel einfacher und schneller zu erreichende Dopaminquelle auf dich und die Motivation zum Training bleibt wieder auf der Strecke.


Zeitmanagement

Und dann ist da noch das Problem mit dem Zeitmanagement. Die ADHS-Symptomatik kann zu Problemen in Bezug auf vorausschauendes Planen und Handeln und Zeitmanagement führen (Stichwort: Exekutive Dysfunktion). Darunter kann auch die Trainingsplanung leiden, selbst wenn diese einen festen Platz im Kalender hat. Wie lange dauert das Training eigentlich genau? Das wird schnell mal unter- oder überschätzt. Und wenn dann auch noch etwas in Form von Ablenkung dazu kommt (Handy im Training kennen wir alle, oder?) ist der Zeitplan schlichtweg dahin. Das kann zu Stress, Unzufriedenheit mit sich selbst und Überforderung führen. Was oftmals folgt ist eine Vermeidung und eine weitere Aufschiebung, sodass es mit der geplanten Trainingseinheit dann leider wieder nichts geworden ist. Da ist Frust vorprogrammiert.


Fazit

ADHS ist die Abkürzung für Aufmerksamkeitsdefizits-Hyperaktivitätsstörung. Eine vorhandene ADHS-Symptomatik hat Auswirkungen auf das gesamte Leben und auch beim Training gibt es mit einer ADHS ein paar Dinge zu beachten, die Personen ohne ADHS weniger betreffen. Eine vorhande ADHS geht z.B. oftmals mit Koordinationsproblemen, Konzentrationsproblemen, einem fehlenden Selbstvertrauen, Problemen beim Befolgen von Anweisungen, dem Etablieren von Routinen und mit dem Zeitmanagement einher. All diese Herausforderungen sollten bei einem Fitness- und Ernährungscoaching für Personen mit ADHS mitgedacht werden, damit das Training trotzdem erfolgreich durchgeführt werden kann und Erfolgserlebnisse nicht die Ausnahme, sondern die Regel werden.


Ich bin Fitness- und Ernährungscoach und habe selbst ADHS. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich deine Probleme kenne und für diese eine Lösung habe, sind also sehr hoch.


Vereinbare dir hier deinen kostenlosen RESET & RISE Kennenlerncall: https://calendly.com/lara-laraberroth-coaching/30min

Ich freue mich auf dich!






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